Einsatzkompetenz für den Ernstfall

Zum zweiten Mal in diesem Jahr rückte das THW Sinzig im Rahmen des Ausbildungsdienstes im Juni in die Innenstadt von Sinzig aus. Wieder war das abbruchreife Gebäude in der Gudegasse das Ziel, das den Helfern und Helferinnen realistische Übungsszenarien bot. Eine Umgebung, die dieses Mal bei einer Stationsausbildung genutzt wurde.

Kollegen aus dem OV Ahrweiler brachten ihre Betonkettensäge mit und unterwiesen die Sinziger Helfer und Helferinnen im Umgang mit dem Gerät. Durch die diamantbesetze Kette ist diese Motorsäge im Einsatzfall in der Lage, durch Mauerwerk, Beton und Stahlbeton zu schneiden und so schnell und effektiv Zugänge zu geschlossenen Räumen zu schaffen, in denen sich Überlebende befinden.

Das Auffinden von Überlebenden ist jedoch immer nur auf Grundlage einer entsprechenden Erkundung des Einsatzgebietes möglich. Um die Helfer auch in dieser Hinsicht zu schulen, wurde durch Zugtruppführer Daniel Gronwald ein kleiner Parcours aufgebaut, in dem die THWler ihre Kenntnisse testen und ausbauen konnten. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf das Erkennen von möglichen Gefahren an der Einsatzstelle, z.B. durch Elektrizität oder giftige Stoffe, gelegt.

Einige Stockwerke darüber kam das Einsatzgerüstsystem (EGS) der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk zum Einsatz, das, im Gebäude aufgebaut und mit einem Ausleger durch eine Fensteröffnung, zum Retten von Personen aus Höhen dient. Unter der Anleitung von Gruppenführer Michael Rönn testen die Helfer und Helferinnen die Stabilität der Konstruktion, indem sie sich selbst an dem Gebäude herab ließen.

Die Deckendurchbrüche, die von den Helfern und Helferinnen im Mai gebrochen worden waren, dienten bei diesem Dienst als Aufgang zum obersten Geschoss. Die Gruppenführer Michael Laß und Hagen Hoppe hatten diese zum einzigen Zugang erklärt, so dass die THWler gezwungen waren, sich selbst und das erforderliche Gerät durch die Öffnung zu transportieren. Denn im oberen Geschoss, so die eine Anforderung des Übungsszenarios, befanden sich hinter den Mauern in Hohlräumen noch Verletzte, die zu retten waren.

So war es die Aufgabe der THWler, Öffnungen in das Mauerwerk zu stemmen. Um eine Gefährdung dahinter befindlicher Personen auszuschließen, konnten die Arbeiten nur mit Hammer und Meißel durchgeführt werden. Eine schweißtreibende Aufgabe, bei der auch die statischen Gesetzmäßigkeiten durch die Form und die Art des Mauerdurchbruchs zu beachten waren und den Teilnehmer näher gebracht wurden.
Leider war eine entsprechende Geräuschkulisse im Rahmen der Ausbildung an diesem seltenen Übungsobjekt nicht zu vermeiden. Daher möchten wir uns auf diesem Wege bei den Anwohnern für ihre Geduld und ihr Verständnis während der Ausbildungsveranstaltung danken.

Die Fachausbildung für den Bergungseinsatz, der von allen drei Gruppen des Technischen Zuges gemeinsam durchgeführt wurde, sichert die Einsatzbereitschaft und Kompetenz des Sinziger THW-Ortsverbandes für den Fall eines Rettungseinsatzes in angeschlagenen, teil- oder ganz zerstörten Gebäuden. In der Hoffnung, dass der Ernstfall nie eintreten wird.